KV-Fernblick Ausblick von der Villa in die böhmischen Berge Die Fernblickboofe Geschichte
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Die Fernblickboofe

Fernblickboofe Ursprünglich war die "Villa Morgensonne" hinter der Sommerwand die alte Stammboofe des T.V. Schreckensteiner 1914. Aus verschiedenen Gründen waren die Schreckensteiner aber mit diesem Platz nicht völlig zufrieden. Am 9.8.1949 wurde bei einer Tour zum Raumberg ein Riff auf einem Ausläufer der Thorwalder Wände entdeckt und dort der Bau einer neuen Boofe beschlossen. Dieser begann am 24.9.1950 und wurde im Verlauf des Jahres 1951 fortgesetzt und beendet. Wegen des phantastischen Ausblicks in die böhmischen Berge erhielt die Boofe den Namen "Villa Fernblick". Am 3.4.1953 wurde mit Eisen der Fenstergitter des norwegischen Konsulates in Dresden eine Steiganlage auf das Riff gebaut.

Bald schon gab es Probleme mit der Grenzpolizei, die das Boofen wegen der Grenznähe verbieten wollte. Diese konnten durch den Abschluß eines Pachtvertrages mit dem Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb am 17.7.1953 beseitigt werden.
An der Boofenwand wurden über die Jahre gefundene alte Knochen angenagelt, so wurde die Villa Fernblick auch unter dem Zweitnamen Knochenboofe bekannt.

In den siebziger Jahren zogen sich die alten Schreckensteiner allmählich aus der Boofe zurück. Eine neuere Generation nahm sich ihrer an. Die Boofe war im Laufe der Zeit etwas bekannter geworden, infolge ihrer Abgelegenheit war sie aber immer ein Ort der Ruhe und Einkehr.

Villa Fernblick Wer aus Dresden kam, fuhr gewöhnlich mit dem Zug bis Schmilka. Die klassische Route führte über Kipphorn und Müllerwiesenweg, die Richterschlüchte hinab in den Großen Zschand, weiter die Erlenschlüchte hinauf in die Thorwalder Wände. So waren mehrere Stunden Wanderung nötig, bis die Aussicht für Schweiß, Mühe und Strapazen entschädigte. Aus diesem Grund gelangten damals mitunter beklagte "Problembürger" vom "Idagrottentyp" nur selten auf das Riff. Auch wenn die Fernblickboofe im Sommer nur an wenigen Wochenenden unbesucht blieb und der dann abends eintreffende Wanderer mitunter schon ein Feuer vorfand: Hier trafen sich Naturliebhaber in Stille und Einsamkeit, und die Kunde von dem Ort, der in keiner Karte und keinem Kletterführer eingezeichnet war, wurde nur behutsam weitergetragen. Seit 1966 gehört das Riff mit der Boofe zum Naturschutzgebiet Großer Winterberg/Zschand.

Über lange Jahre gab es keine Beanstandungen der Villa Fernblick durch den Naturschutz, und die Boofenbesucher und der Revierförster begegneten sich gegenseitig mit Achtung und Wohlwollen.

Knochenboofe Als sich 1990 die Berge der Welt öffneten, wurde es spürbar ruhiger im Thorwald. Allerdings nahm mit der Nationalparkgründung auch die Kritik am Boofen zu. Um die Geschicke der Boofe kümmerte sich damals Stephan Zenker aus Sebnitz, er hielt die Boofe in Ordnung und war der heimliche Boofenwart. Als zu Beginn des Jahres 1994 die Kunde umging, dass die Villa Fernblick durch die Nationalparkverwaltung abgerissen worden war, war dies für viele Kenner und Liebhaber der Boofe eine große Enttäuschung. Bereits am 21. Mai 1993 war Stephan in der Nixdorfer Kapelle vom Blitz erschlagen worden. So hat er vom Abriß nichts mehr erfahren.
Es gab verschiedentlich Proteste gegen den Abriß der Boofe. Entschuldigungen der Nationalparkverwaltung folgten.
Gegenwärtig ist allerdings unklar, ob es überhaupt noch gestattet ist, auf das Boofenriff zu wandern, auch wenn sich ein Klettergipfelzugang in der Nähe befindet.
Es wäre zu wünschen, dass der Ort auch künftig zugänglich bleibt. Dies würde zweifelsohne einer weiten Akzeptanz des Naturschutzgedankens und des Naturverständnisses förderlich sein.



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